Kurzantwort

Viele Elektrizitätswerke führen für Wärmepumpen spezielle Tarife: vergünstigter Strom im Gegenzug für das Recht, die Wärmepumpe in Spitzenzeiten kurz zu unterbrechen (unterbrechbarer Tarif mit Rundsteuerung). Ob sich das lohnt, hängt vom Rabatt, den Sperrzeiten und Ihrem Haus ab. Neu geregelt ist seit 2026 die Grundlage: Solche Steuerungen brauchen einen Vertrag mit klaren Bedingungen – und bestehende Rundsteuerungen können Sie schriftlich kündigen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der klassische WP-Tarif ist ein Tauschgeschäft: günstigerer Strom gegen kurze, planbare Unterbrechungen (Sperrzeiten).
  • Ein gut gedämmtes Haus mit Speichermasse merkt von ein bis zwei Stunden Unterbruch nichts – die Trägheit der Wärme ist Ihr Puffer.
  • Seit 2026 gilt: Neue Steuerzugriffe des Netzbetreibers brauchen einen Vertrag mit geregelter Vergütung; bestehende Rundsteuerungen laufen weiter, sind aber kündbar (Opt-out per Brief).
  • Die Modelle unterscheiden sich stark je nach EW – Tarifblatt lesen lohnt sich mehr als jede Faustregel.
  • Mit PV, Speicher und dynamischen Tarifen entsteht eine moderne Alternative zum klassischen Sperrzeiten-Modell.

Warum gibt es überhaupt spezielle Tarife für Wärmepumpen?

Eine Wärmepumpe ist für das Netz ein interessanter Kunde: Sie zieht substanziell Strom, aber sie ist flexibel – ob sie jetzt oder in einer Stunde heizt, spielt für das Haus kaum eine Rolle, weil Gebäude und Wassertank Wärme speichern. Genau diese Flexibilität kaufen die Werke seit Jahrzehnten ein: mit vergünstigten Tarifen, im Gegenzug für das Recht, die Wärmepumpe in Netzspitzen per Rundsteuerung kurz abzuschalten.

Für beide Seiten ein fairer Handel, solange die Bedingungen stimmen: Das Netz glättet seine Spitzen, Sie zahlen weniger pro Kilowattstunde – und merken vom Unterbruch im Idealfall nichts.

Wie funktionieren Sperrzeiten in der Praxis?

Die typischen Modelle (Details variieren stark je nach Werk):

ElementTypische Ausgestaltung
SteuerungRundsteuerempfänger oder Smart-Meter-Steuerung schaltet die WP frei/gesperrt
Sperrzeitendefinierte Fenster, z. B. während Mittags- oder Abendspitzen
Dauerbegrenzt (z. B. maximal wenige Stunden am Stück), damit der Komfort hält
Gegenleistungreduzierter Arbeits- oder Netztarif für den WP-Strom
Messungteils separater Zähler/Messpunkt für die Wärmepumpe

Modellübersicht, Stand: Juli 2026 – massgebend ist das Tarifblatt Ihres Netzbetreibers; die Ausgestaltung unterscheidet sich von Werk zu Werk erheblich.

Ob Sperrzeiten im Alltag stören, entscheidet die Trägheit Ihres Systems: Ein gedämmtes Haus mit Fussbodenheizung überbrückt Unterbrüche locker – die Bodenplatte ist ein riesiger Wärmespeicher. Kritischer sind schlecht gedämmte Häuser mit Radiatoren und knapp dimensionierter Anlage; dort gehört die Sperrzeitenfrage in die Dimensionierung, nicht ins Kleingedruckte.

Was hat sich mit dem neuen Recht geändert?

Seit dem 1. Januar 2026 steht die alte Rundsteuer-Praxis auf neuen Füssen – drei Punkte sind für WP-Besitzer relevant:

1. Neue Steuerzugriffe brauchen einen Vertrag. Will der Netzbetreiber Ihre Wärmepumpe künftig (neu) steuern, muss er Einsatz, Umfang und Vergütung mit Ihnen vereinbaren – Flexibilität gehört grundsätzlich Ihnen. 2. Bestehende Rundsteuerungen laufen weiter – mit Informationspflicht. Wer schon vor 2026 gesteuert wurde, bleibt im alten Modell, muss aber jährlich über Umfang und Bedingungen informiert werden. 3. Sie haben ein Opt-out. Die Weiternutzung der bestehenden Steuerung können Sie schriftlich per Brief untersagen. Aber Achtung: Damit entfällt üblicherweise auch die Tarif-Gegenleistung – kündigen Sie das Modell nur, wenn Sie eine bessere Alternative haben.

Der Hintergrund dieser Neuordnung – wem Flexibilität gehört und was sie wert ist – steckt ausführlicher im Beitrag Flexibilität vermarkten.

Lohnt sich der WP-Tarif – oder gibt es Besseres?

Die ehrliche Antwort: rechnen statt raten. Der klassische WP-Tarif lohnt sich, wenn der Rabatt substanziell ist und die Sperrzeiten zu Ihrem Haus passen. Er lohnt sich weniger, wenn das Werk nur symbolisch rabattiert oder ein separater Zähler mit eigenem Messentgelt den Vorteil auffrisst – seit die Messkosten separat ausgewiesen werden, sieht man diesen Posten immerhin schwarz auf weiss.

Und es gibt eine moderne Alternative, die den alten Handel zunehmend konkurrenziert: PV + Steuerung. Wer die Wärmepumpe primär mit eigenem Solarstrom laufen lässt (SG-Ready, Energiemanagement) und Reststrom künftig über dynamische Tarife in günstige Stunden legt, baut sich seinen «Spartarif» selbst – ohne Sperrzeiten-Vertrag, dafür mit eigener Intelligenz. Die beiden Welten schliessen sich nicht aus; welche Kombination bei Ihrem EW die beste ist, steht in dessen Tarifblatt – und in Ihrem Lastprofil.

Die Prüfliste vor der Tarifwahl

1. Tarifblatt holen: Gibt es einen WP-/unterbrechbaren Tarif? Wie gross ist der Abstand zum Standardtarif wirklich? 2. Sperrzeiten lesen: Wann, wie oft, wie lange? Passt das zu Dämmung und Heizverteilung Ihres Hauses? 3. Messkonzept klären: Separater Zähler nötig? Was kostet das Messentgelt – und bleibt danach noch ein Vorteil? 4. Zukunft mitdenken: Ist die WP SG-Ready angebunden? Bleibt der Weg zu PV-Vorrang und dynamischen Tarifen offen?

Aus der Praxis

Bei Heizungsersatz-Projekten erleben wir regelmässig, dass der Stromtarif als Letztes angeschaut wird – dabei entscheidet er über einen relevanten Teil der Betriebskosten. Zwei Muster fallen auf: Erstens laufen in vielen Häusern alte Rundsteuerungen weiter, von denen die heutigen Besitzer gar nichts wissen – ein Blick in den Zählerkasten und aufs Tarifblatt schafft Klarheit. Zweitens wird der separate WP-Zähler oft reflexhaft bestellt, obwohl die Rechnung mit Messentgelt und modernem Eigenverbrauchs-Setup gar nicht mehr aufgeht. Unsere Regel: Erst das Gesamtsystem planen – PV, Steuerung, Tarif –, dann den Zähler entscheiden.

Häufige Fragen

Merke ich die Sperrzeiten im Alltag?

In einem halbwegs gedämmten Haus mit Fussbodenheizung: praktisch nie – die Speichermasse überbrückt kurze Unterbrüche. Heikler sind schlecht gedämmte Häuser mit knapper Anlage; dort gehört die Sperrzeitenfrage in die Planung.

Darf das EW meine Wärmepumpe einfach abschalten?

Nur im Rahmen einer Vereinbarung (klassisch: der unterbrechbare Tarif mit Rundsteuerung) – oder ausnahmsweise bei unmittelbarer Gefährdung des Netzbetriebs. Neue Steuerzugriffe brauchen seit 2026 einen Vertrag mit geregelter Vergütung.

Ich habe eine alte Rundsteuerung – muss ich die behalten?

Nein: Die Weiternutzung können Sie schriftlich untersagen. Prüfen Sie vorher, welcher Tarifvorteil daran hängt – ein Opt-out ohne bessere Alternative verschenkt Geld.

Brauche ich für den WP-Tarif einen separaten Zähler?

Je nach Werk und Modell. Rechnen Sie das Messentgelt des Zusatzzählers gegen den Tarifvorteil – seit 2026 sind die Messkosten transparent ausgewiesen, die Rechnung ist also machbar.

Was ist besser: WP-Tarif oder Wärmepumpe mit Solarstrom?

Kein Entweder-oder: Solarstrom zuerst (kostet Sie am wenigsten), Rest über den günstigsten verfügbaren Tarif. Welche Kombination gewinnt, hängt von Ihrem EW und Ihrem Profil ab – genau das rechnen wir in der Beratung durch.

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Beim Heizungsersatz prüfen wir Tarifmodelle, Messkonzept und PV-Kombination gleich mit – damit die Betriebskosten von Anfang an stimmen. Kostenlos und unverbindlich.

Quellen: ElCom (FAQ ES2050, Kap. 8 Flexibilität), Netzbetreiber-Tarifblätter (Modelle je Werk), StromVV Art. 19b–19d.

Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026 · Autor: ecoEn Redaktion