Für das Einfamilienhaus fast immer 11 kW. Ein Auto, das über Nacht oder einen Nachmittag steht, braucht keine doppelte Leistung – viele Fahrzeuge können an Wechselstrom ohnehin nicht mehr als 11 kW aufnehmen, und fürs Solarladen ist weniger Leistung sogar von Vorteil. 22 kW lohnen sich in eng umrissenen Sonderfällen, nicht als Standard. (Stand: Juli 2026)
Das Wichtigste in Kürze
- Die entscheidende Rechengrösse ist nicht die Leistung, sondern die Standzeit: Energie = Leistung × Zeit, und Zeit haben Autos zu Hause im Überfluss.
- Viele E-Autos laden an Wechselstrom (AC) maximal mit 11 kW – an einer 22-kW-Box laden sie trotzdem nur mit 11.
- Fürs Überschussladen mit der Solaranlage ist die kleinere Box die bessere: Das Dach liefert selten mehr, als 11 kW abnehmen können.
- 22 kW bedeuten höhere Anforderungen an Zuleitung und Anschluss – Aufwand für einen Vorteil, der im Alltag kaum je gebraucht wird.
- Sinnvolle 22-kW-Fälle gibt es: sehr hohe Tagesfahrleistungen, mehrere Fahrzeuge nacheinander, Poolfahrzeuge im Betrieb.
Die eigentliche Frage: Wie lange steht Ihr Auto?
Die Ladeleistungs-Debatte beginnt fast immer mit der falschen Grösse. Gefühlt gilt: doppelt so viel Leistung, doppelt so gut. Tatsächlich zählt zu Hause eine andere Rechnung: Energie ist Leistung mal Zeit – und Zeit ist genau das, was ein Auto am eigenen Haus im Überfluss hat. Wer abends um sieben einsteckt und morgens um sieben losfährt, hat zwölf Stunden Ladefenster; wer im Homeoffice über Mittag lädt, mehrere Stunden. In beiden Fällen füllt eine 11-kW-Box auch grosse Batterien bequem im verfügbaren Fenster – für den tatsächlichen Tagesbedarf (Pendeln, Einkäufe, Kinder) reicht oft schon ein Bruchteil davon.
Die 22-kW-Box halbiert eine Wartezeit, die es im Alltag gar nicht gibt. Sie ist die Antwort auf ein Problem des öffentlichen Ladens – dort zählt jede Minute –, das am eigenen Stellplatz schlicht nicht existiert. Es ist dieselbe Logik wie bei Firmenparkplätzen: Bei stundenlangen Standzeiten liefert moderate Leistung die nötige Energie günstiger.
Der oft übersehene Punkt: Was kann Ihr Auto überhaupt?
Bevor über die Wallbox entschieden wird, lohnt der Blick ins Fahrzeug-Datenblatt – auf den On-Board-Lader. Er begrenzt, was das Auto an Wechselstrom (AC) maximal aufnehmen kann, und bei vielen Modellen liegt diese Grenze bei 11 kW; nur ein Teil der Fahrzeuge nimmt 22 kW, teils gegen Aufpreis. Die Konsequenz ist unbequem für jedes Verkaufsargument: An einer 22-kW-Wallbox lädt ein 11-kW-Auto exakt mit 11 kW. Die doppelte Leistung der Box kommt nie im Fahrzeug an – bezahlt ist sie trotzdem.
Die hohen Ladeleistungen aus der Werbung («in 20 Minuten auf 80 Prozent») betreffen das DC-Schnellladen unterwegs – eine andere Technik, die mit der heimischen Wallbox nichts zu tun hat. Zu Hause wird AC geladen, und dort ist 11 kW der etablierte Standard.
Fürs Solarladen ist weniger sogar mehr
Wer sein Auto mit eigenem Solarstrom laden will, dreht die Leistungsfrage endgültig um. Überschussladen heisst: Die Wallbox lädt mit dem, was das Dach gerade über den Hausverbrauch hinaus liefert – und dieser Überschuss liegt bei typischen Einfamilienhaus-Anlagen die meiste Zeit deutlich unter 11 kW. Eine 22-kW-Box könnte ihre Leistung beim Solarladen schlicht nie ausspielen; sie wartet auf einen Überschuss, den es nicht gibt.
Wichtiger als die Maximalleistung ist fürs Solarladen das Gegenteil: wie fein herunter die Box regeln kann und wie gut sie mit Wechselrichter oder Energiemanagement spricht. Eine ansteuerbare 11-kW-Box, die sanft mit der Wolke atmet, schlägt jede starre 22-kW-Box in genau der Disziplin, für die man das Dach gebaut hat – die Ansteuerbarkeit ist das Ausstattungsmerkmal, an dem nicht gespart werden sollte, nicht die Kilowatt-Zahl.
Was 22 kW zusätzlich kosten – nicht nur beim Gerät
Die doppelte Leistung will auch geliefert werden: 22 kW stellen höhere Anforderungen an Zuleitung, Absicherung und gegebenenfalls den Hausanschluss – gerade in älteren Häusern, wo Wärmepumpe und Wallbox ohnehin an der Reserve des Anschlusses zehren. Auch beim Netzbetreiber ist die grössere Box das anspruchsvollere Thema; je nach EW gelten für höhere Ladeleistungen strengere Vorgaben bis hin zur Steuerbarkeits-Anforderung.
All das ist lösbar – aber es ist Aufwand für einen Vorteil, den der Alltag kaum je abruft. Wer das Budget hat, investiert es sinnvoller in die Ansteuerbarkeit, ein Lastmanagement oder schlicht ein, zwei Module mehr auf dem Dach.
Wann 22 kW tatsächlich sinnvoll sind
Der ehrliche Gegenpart, damit aus der Empfehlung kein Dogma wird – es gibt die Fälle:
- Sehr hohe, unregelmässige Fahrleistungen mit kurzen Heimfenstern – etwa Bereitschaftsdienste, bei denen das Auto mittags zwei Stunden steht und dann wieder voll sein muss.
- Mehrere Fahrzeuge an einer Box, die nacheinander laden müssen, ohne die Nacht zu teilen.
- Betriebliche Nutzung – Poolfahrzeuge mit hoher Umschlagfrequenz gehören allerdings ohnehin in die Firmen-Ladeplanung mit Lastmanagement.
- Zukunftsabsicherung der Verkabelung: Wer neu baut oder ohnehin Leitungen zieht, kann die Zuleitung für 22 kW dimensionieren und die Box trotzdem mit 11 betreiben – die Reserve liegt dann im Kupfer, nicht im Gerät. Das ist der günstigste Kompromiss der ganzen Debatte.
Wer sich in keinem dieser Fälle wiederfindet, findet in 22 kW vor allem eines: einen Aufpreis.
Der Vergleich auf einen Blick
| 11 kW | 22 kW | |
|---|---|---|
| Typische Voll-Ladung über Nacht | problemlos | problemlos – nur schneller fertig als nötig |
| Kompatibilität Fahrzeuge (AC) | praktisch alle | nur ein Teil nutzt die volle Leistung |
| Überschussladen mit PV | ideal – Dachüberschuss passt | Leistung bleibt ungenutzt |
| Installation / Zuleitung | Standard | höhere Anforderungen, je nach Haus |
| Sinnvoller Einsatz | Einfamilienhaus, Alltag | Sonderfälle, Betriebe, Kurzstandzeiten |
Qualitative Einordnung, Stand: Juli 2026 – massgebend sind Fahrzeugdaten, Hausinstallation und die Vorgaben Ihres Netzbetreibers.
Die 22-kW-Frage kommt in Beratungen regelmässig – und fast immer aus demselben Gedanken: «Wenn schon, dann richtig.» Unsere Gegenfrage ist immer dieselbe: Wann ist das Auto zu Hause, und wie viele Kilometer stehen am nächsten Morgen an? Die Antworten erledigen die Debatte meist von selbst – zwölf Stunden Standzeit für hundert Kilometer Tagesbedarf sind mit jeder Leistung entspannt zu schaffen. Interessant ist, was danach passiert: Das frei gewordene Budget wandert bei den meisten in die Ansteuerbarkeit der Box, und genau die ist es, über die sich dieselben Kundinnen und Kunden im ersten Sommer freuen – wenn das Auto wochenlang praktisch nur vom Dach lädt. Von den wenigen 22-kW-Boxen, die wir gebaut haben, hatte fast jede einen konkreten, guten Grund. «Wenn schon, dann richtig» war nie einer davon.
Häufige Fragen
Lädt mein Auto an einer 22-kW-Wallbox doppelt so schnell?
Nur, wenn sein On-Board-Lader 22 kW an Wechselstrom aufnehmen kann – viele Modelle sind bei 11 kW am Limit und laden an der grösseren Box exakt gleich schnell. Der Blick ins Fahrzeug-Datenblatt gehört deshalb vor den Wallbox-Entscheid.
Reicht 11 kW auch für ein Auto mit grosser Batterie?
Ja – über eine typische Nacht lädt eine 11-kW-Box auch grosse Batterien weitgehend voll, und der tatsächliche Tagesbedarf ist meist ein Bruchteil davon. Die Batteriegrösse bestimmt die Reichweite, nicht die nötige Ladeleistung zu Hause.
Ist eine 22-kW-Box wenigstens zukunftssicherer?
Kaum – der Trend am Fahrzeug geht nicht zu höherem AC-Laden, und fürs Solarladen bleibt 11 kW die passende Grösse. Wer Zukunftssicherheit will, dimensioniert die Zuleitung grosszügig und wählt eine ansteuerbare Box; das Kupfer in der Wand ist die bessere Reserve als das Typenschild.
Kann ich eine 22-kW-Box gedrosselt mit 11 kW betreiben?
In der Regel ja – konfigurierbar ist das meiste. Nur bezahlt man dann die grosse Box, um sie klein zu betreiben. Sinnvoll ist die Kombination vor allem umgekehrt: Zuleitung für 22 kW vorbereiten, Box in 11 kW kaufen, bei echtem Bedarf später tauschen.
Was gilt bei zwei E-Autos im Haushalt?
Meist zwei 11-kW-Punkte mit Lastmanagement statt einer grossen Box – die Fahrzeuge teilen sich die verfügbare Leistung über ihre Standzeit, und niemand muss nachts umparkieren. Die Anschluss-Situation prüft der Elektriker; das Prinzip ist dasselbe wie im Kleinen bei Firmenparkplätzen.
Kostenlose Erstberatung
Die richtige Box ist die, die zu Ihrem Alltag passt.
Wir planen Wallbox, Zuleitung und Solar-Ansteuerung zusammen mit der Anlage – und rechnen ehrlich vor, was Ihre Standzeiten wirklich brauchen.
Quellen: Fahrzeug- und Wallbox-Herstellerdokumentationen (AC-Ladeleistungen, allgemein); Erfahrungswerte aus der Installations- und Beratungspraxis der ecoEn GmbH, Region Zürich.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026 · Autor: ecoEn Redaktion

