sonnendach.ch zeigt kostenlos, wie gut Ihr Dach für Solarenergie geeignet ist – berechnet vom Bund aus 3D-Gebäudedaten und Einstrahlungswerten. Für die Praxis gilt: Schon die Klasse «gut» reicht in den meisten Fällen für eine wirtschaftliche Anlage. Verbindlich wird es erst nach einer Besichtigung, denn Dachzustand, Aufbauten und die tatsächlich nutzbare Fläche kennt das Tool nicht. (Stand: Juli 2026)
Das Wichtigste in Kürze
- sonnendach.ch ist ein Gratis-Tool des Bundesamts für Energie (BFE) – Adresse eingeben, Dachfläche anklicken, fertig.
- Die Eignungsklassen reichen von «gering» bis «hervorragend» und basieren auf der jährlichen Sonneneinstrahlung pro Quadratmeter.
- Neben der Klasse zeigt das Tool Fläche, Neigung, Ausrichtung und einen geschätzten Stromertrag – aufgeschlüsselt nach Sommer- und Winterhalbjahr.
- Die angezeigte Dachfläche ist praktisch nie vollständig belegbar: Kamine, Dachfenster und Randabstände reduzieren die Modulfläche.
- Das Tool ist ein Ersteinschätzungs-Instrument, keine Planung. Es ersetzt weder Statik- noch Zustandsprüfung.
Was ist sonnendach.ch und woher stammen die Daten?
sonnendach.ch ist die offizielle Solarpotenzial-Karte der Schweiz, betrieben vom Bundesamt für Energie. Sie geben eine Adresse ein und sehen für jede einzelne Dachfläche des Gebäudes, wie gut sie sich für Photovoltaik oder Solarthermie eignet – farblich markiert, von Blau («gering») bis Dunkelrot («hervorragend»).
Dahinter steckt keine Schätzung, sondern eine Simulation: Der Bund kombiniert die 3D-Gebäudedaten von swisstopo mit den Einstrahlungsdaten von MeteoSchweiz und rechnet für jede Dachfläche den Sonnenverlauf übers Jahr durch. Schattenwurf von Nachbargebäuden und Geländeformen fliesst dabei ein. Seit Anfang 2023 rechnet das Tool mit einem Modulwirkungsgrad von 20 Prozent – das entspricht dem heutigen Standard.
Für die Fassaden gibt es übrigens das Schwesterprojekt sonnenfassade.ch, das nach demselben Prinzip funktioniert.
Was bedeuten die Eignungsklassen?
Die Klassen richten sich nach der mittleren jährlichen Sonneneinstrahlung auf die Dachfläche:
| Eignungsklasse | Einstrahlung pro Jahr | Einordnung aus der Praxis |
|---|---|---|
| Gering | unter 800 kWh/m² | selten sinnvoll – meist stark verschattete Nordlagen |
| Mittel | 800–1’000 kWh/m² | prüfenswert, wenn der Eigenverbrauch stimmt |
| Gut | 1’000–1’200 kWh/m² | solide Basis – typisch für Ost-West-Dächer |
| Sehr gut | 1’200–1’400 kWh/m² | sehr gute Voraussetzungen |
| Hervorragend | ab 1’400 kWh/m² | Ideallage, meist Süddächer mit günstiger Neigung |
Stand: Juli 2026, Klassierung gemäss BFE. Massgebend ist die aktuelle Darstellung auf sonnendach.ch.
Der wichtigste Hinweis dazu: Lassen Sie sich von der Skala nicht täuschen. «Gut» klingt nach Mittelmass, ist es aber nicht – die Differenz zwischen einem «guten» und einem «hervorragenden» Dach liegt beim Jahresertrag oft nur bei einem Fünftel bis einem Viertel. Ob sich die Anlage rechnet, entscheidet weniger die Klasse als die Frage, wie viel vom Solarstrom Sie selbst verbrauchen. Die Zusammenhänge erklärt der Beitrag Lohnt sich eine Solaranlage in der Schweiz?
Welche Angaben zeigt sonnendach.ch für Ihr Dach?
Ein Klick auf die Dachfläche öffnet die Detailansicht. Dort finden Sie:
Fläche, Neigung und Ausrichtung. Die Eckdaten der Dachfläche, wie sie aus dem 3D-Modell berechnet wurden. Warum diese drei Werte den Ertrag prägen – und warum Ost-West-Dächer besser sind als ihr Ruf –, zeigt der Beitrag Ausrichtung und Neigung.
Der geschätzte Stromertrag. Eine Kilowattstunden-Angabe pro Jahr, wenn die ganze Fläche mit Modulen belegt würde. Interessant ist die Aufteilung in Sommer- und Winterhalbjahr: Wer mit einer Wärmepumpe heizt oder heizen will, sollte auf den Winterwert achten – dort ist der Verbrauch am höchsten und die Produktion am tiefsten.
Der mögliche Wärmeertrag. Das betrifft Solarthermie, also Sonnenkollektoren für Warmwasser – eine andere Technik als Photovoltaik. Die beiden Angaben dürfen nicht verwechselt oder addiert werden.
Wirtschaftlichkeits-Szenarien. Das Tool spielt verschiedene Eigenverbrauchsanteile durch und zeigt grobe Ertragsschätzungen. Diese Szenarien arbeiten mit pauschalen Annahmen zu Tarifen und Preisen; als Grössenordnung brauchbar, als Entscheidungsgrundlage nicht.
Wo liegen die Grenzen des Tools?
sonnendach.ch ist für den ersten Check hervorragend – solange man weiss, was es nicht sieht:
Die belegbare Fläche ist kleiner als die angezeigte. Das Tool rechnet mit der ganzen Dachfläche. In der Realität gehen Kamine, Dachfenster, Lukarnen, Schneefänger und die nötigen Randabstände weg. Wie viele Module tatsächlich Platz finden, zeigt erst die Planung – die Faustregeln dazu stehen im Beitrag Wie viele Solarmodule brauche ich?
Vegetation ist eine Momentaufnahme. Nachbargebäude und Gelände sind im Modell zuverlässig erfasst. Bäume dagegen wachsen weiter oder werden gefällt – der Baum, der heute im Modell steht, kann in fünf Jahren doppelt so hoch sein. Bei kritischen Fällen lohnt sich der genauere Blick: Verschattung richtig einschätzen.
Zustand und Statik bleiben aussen vor. Ob die Eindeckung noch zwanzig Jahre hält, ob das Dach die Zusatzlast trägt, ob Asbest im Spiel ist – dazu sagt die Karte nichts. Auf Eternitdächern aus den 70ern klären wir zuerst die Asbestfrage, bevor überhaupt geplant wird.
Rechtliches fehlt. Kernzonen, Denkmalschutz oder Inventarobjekte erkennt das Tool nicht. In der Stadt Zürich kann dieselbe Dachfläche je nach Zone bewilligungsfrei oder bewilligungspflichtig sein.
Dazu kommt: Die Datengrundlagen werden etappenweise aktualisiert. Neubauten fehlen teils noch, und bei kürzlich umgebauten Dächern kann das Modell veraltet sein.
Bei Erstberatungen ist sonnendach.ch fast immer unser gemeinsamer Startpunkt – und die häufigste Überraschung ist die Flächenfrage. Auf der Karte wirkt das Dach gross, doch nach Abzug von Kaminen, Dachfenstern und Randabständen bleibt spürbar weniger Modulfläche übrig als gedacht. Umgekehrt erleben wir regelmässig, dass Eigentümer ihr «nur gutes» Ost-West-Dach vorschnell abschreiben, obwohl genau dieses Profil tagsüber gleichmässig Strom liefert und dem Eigenverbrauch entgegenkommt. Beides klärt sich in einer halben Stunde vor Ort.
Vom sonnendach-Check zum konkreten Projekt: Wie weiter?
Ein sinnvoller Ablauf sieht so aus:
1. Alle Teilflächen anschauen, nicht nur die beste. Oft ergibt die Kombination von zwei Flächen (etwa Ost plus West) die bessere Anlage als die eine Südfläche allein. 2. Winterhalbjahr-Wert notieren, falls eine Wärmepumpe vorhanden oder geplant ist. 3. Grobe Anlagengrösse überschlagen – dafür reichen die sonnendach-Werte zusammen mit dem eigenen Stromverbrauch. Die Rechenschritte: PV-Anlagengrösse berechnen. 4. Besichtigung vereinbaren. Erst vor Ort werden belegbare Fläche, Dachzustand, Leitungswege und Verschattung verbindlich – und daraus entsteht eine seriöse Offerte.
Wer mit diesen Vorarbeiten ins Beratungsgespräch geht, erkennt übrigens schnell, ob ein Anbieter sauber arbeitet: Eine Offerte ohne Blick aufs Dach – ob vor Ort oder zumindest anhand konkreter Unterlagen – ist ein Warnsignal.
Häufige Fragen
Mein Dach ist auf sonnendach.ch nur «mittel» – lohnt sich PV trotzdem?
Häufiger als gedacht. Die Klasse beschreibt nur die Einstrahlung, nicht die Wirtschaftlichkeit. Ein «mittleres» Dach mit hohem Eigenverbrauch – etwa mit Wärmepumpe und E-Auto – kann besser abschneiden als ein «sehr gutes» Dach, dessen Strom fast vollständig eingespeist wird. Die Rechnung ist individuell.
Warum weicht die Offerte vom sonnendach-Ertrag ab?
Weil die Offerte mit der tatsächlich belegbaren Fläche, konkreten Modulen und der realen Verschattung rechnet, während sonnendach.ch die volle Dachfläche mit Standardannahmen durchrechnet. Liegen die beiden Werte weit auseinander, fragen Sie nach – ein seriöser Anbieter kann die Differenz Position für Position erklären.
Werden Bäume und Nachbargebäude berücksichtigt?
Gebäude und Gelände ja, die sind im 3D-Modell zuverlässig abgebildet. Vegetation entspricht dem Stand der letzten Datenerfassung – ein zwischenzeitlich gewachsener oder gefällter Baum fehlt im Modell. Bei grenznahen Bäumen empfehlen wir eine Verschattungsbeurteilung vor Ort.
Was bringt mir die Angabe zum Winterhalbjahr?
Sie zeigt, wie viel der Jahresproduktion in die verbrauchsstarke Jahreszeit fällt. Steildächer mit Südausrichtung schneiden im Winter relativ besser ab, weil die tiefstehende Sonne steiler auf die Module trifft. Für Haushalte mit Wärmepumpe ist dieser Wert oft aussagekräftiger als der Jahresertrag.
Gibt es das Tool auch für Fassaden?
Ja – sonnenfassade.ch zeigt das Potenzial von Fassadenflächen nach demselben Prinzip. Fassadenanlagen liefern weniger Jahresertrag pro Quadratmeter, dafür einen höheren Winteranteil. In der Praxis sind sie ein Thema bei grossen, unverschatteten Fassaden ohne Fensterbänder.
Kostenlose Erstberatung
Was sagt sonnendach.ch über Ihr Dach – und was sagt das Dach selbst?
Wir schauen beides an: die Datenlage und die Realität vor Ort. Kostenlos, unverbindlich und ohne Schönrechnerei.
Quellen: sonnendach.ch (Bundesamt für Energie BFE), swisstopo, MeteoSchweiz, geo.admin.ch.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026 · Autor: ecoEn Redaktion

