Die theoretisch beste Ausrichtung in der Schweiz ist Süden bei rund 30 Grad Dachneigung. In der Praxis liefern aber auch Ost-West-Dächer und Abweichungen nach Südost oder Südwest sehr gute Erträge – die Unterschiede sind kleiner, als viele denken. Entscheidender als die perfekte Lage ist meist, ob das Dach frei von Verschattung ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Optimal ist Süd bei etwa 30 Grad Neigung – doch das ist ein Ideal, kein Muss.
- Ost-West-Dächer produzieren über den Tag verteilt und passen oft besser zum Eigenverbrauch.
- Abweichungen von der Ideallage kosten meist nur einen einstelligen Prozentbereich an Ertrag.
- Verschattung wirkt sich stärker aus als eine nicht ganz ideale Ausrichtung.
- Fast jedes Dach ist geeignet – die Frage ist nicht ob, sondern wie man es belegt.
Welche Ausrichtung ist theoretisch am besten?
Wer den maximalen Jahresertrag pro Modul will, richtet die Anlage in der Schweiz nach Süden aus, mit einer Neigung von rund 30 Grad. In dieser Konstellation trifft über das Jahr die meiste Sonnenenergie auf die Module. Das ist der Referenzwert, an dem alle anderen Ausrichtungen gemessen werden.
Nur: Die wenigsten Dächer sind exakt nach Süden ausgerichtet und exakt 30 Grad geneigt – und das ist kein Problem. Denn die Ertragskurve rund um das Optimum ist flach. Eine Abweichung nach Südost oder Südwest, eine etwas steilere oder flachere Neigung: All das kostet in der Praxis meist nur wenige Prozent.
Wie viel Ertrag kostet eine Abweichung wirklich?
Hier die grobe Orientierung, wie sich verschiedene Lagen zum Süd-Optimum verhalten:
| Ausrichtung | Ertrag im Vergleich zu Süd optimal (Richtwert) |
|---|---|
| Süd, ~30° | 100 % (Referenz) |
| Südost / Südwest | rund 90–95 % |
| Ost / West (je Fläche) | rund 80–85 % |
| flaches Dach (Aufständerung frei wählbar) | nahe Optimum |
Richtwerte, Stand: Juli 2026. Die genauen Werte hängen von Standort, Neigung und Verschattung ab; verbindlich ist eine standortbezogene Ertragsberechnung.
Man sieht: Selbst ein reines Ostdach liefert immer noch einen grossen Teil des Maximums. Wer also ein Dach hat, das nicht nach Süden zeigt, sollte deshalb keinesfalls auf eine Anlage verzichten. Die Frage ist nicht, ob es sich lohnt, sondern wie das Dach am besten belegt wird.
Warum Ost-West-Dächer oft die klügere Wahl sind
Ein Süddach produziert seinen Strom konzentriert um die Mittagszeit – genau dann, wenn viele Haushalte wenig verbrauchen, weil niemand zu Hause ist. Ein Ost-West-Dach dagegen liefert morgens auf der Ostseite und abends auf der Westseite. Der Strom verteilt sich über den Tag, mit Spitzen am Morgen und am Abend – also dann, wenn im Haushalt tatsächlich Strom gebraucht wird.
Für den Eigenverbrauch ist das ein echter Vorteil: Es fliesst weniger Überschuss ins Netz, mehr Solarstrom wird direkt genutzt. Unter dem Strich kann ein Ost-West-Dach damit wirtschaftlich mithalten, obwohl seine reine Jahresproduktion etwas tiefer liegt. Der Beitrag Flachdach: Ost-West- oder Süd-Ausrichtung? vertieft diesen Gedanken für Flachdächer, wo man die Ausrichtung frei wählen kann.
Welche Rolle spielt die Neigung?
Die Dachneigung beeinflusst, wie steil die Sonne im Jahresverlauf auf die Module trifft. Rund 30 Grad sind für den Jahresertrag ideal, doch auch hier ist die Spanne grosszügig: Neigungen zwischen etwa 20 und 45 Grad liefern durchweg gute Ergebnisse.
Steilere Dächer haben einen unterschätzten Nebeneffekt: Sie liefern im Winter relativ mehr, weil die tief stehende Wintersonne flacher einfällt, und Schnee rutscht besser ab. Für den Zusammenhang von Jahreszeit und Ertrag lohnt der Blick in Photovoltaik im Winter.
Was ist wichtiger als die perfekte Ausrichtung?
Ein Punkt, der in der Diskussion um Grad und Himmelsrichtung oft untergeht: Verschattung wiegt schwerer als Ausrichtung. Ein perfekt nach Süden ausgerichtetes Dach, auf das ab dem Nachmittag der Nachbarbaum fällt, kann schlechter abschneiden als ein unverschattetes Ostdach. Schatten wirkt sich überproportional aus, weil er nicht nur einzelne Module, sondern je nach Verschaltung ganze Bereiche betreffen kann – mehr dazu unter Verschattung.
Die richtige Reihenfolge bei der Beurteilung eines Dachs lautet deshalb: zuerst Verschattung prüfen, dann Ausrichtung und Neigung, dann die Belegung planen. Einen ersten Anhaltspunkt liefert sonnendach.ch – verbindlich ist die Besichtigung vor Ort.
Kaum eine Sorge hören wir so oft wie "Mein Dach zeigt nicht nach Süden, lohnt sich das überhaupt?". Fast immer lautet die Antwort: ja. Wir haben in der Region unzählige Ost-West- und Südwest-Anlagen gebaut, die ihre Besitzer zufrieden stellen – oft gerade weil der Strom besser zum Tagesverlauf passt. Die perfekte Südausrichtung ist ein schöner Bonus, aber kein Ausschlusskriterium. Wer wegen der Himmelsrichtung zögert, verschenkt in aller Regel nur Zeit und Ertrag.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine Solaranlage auf einem Norddach?
Eine reine Nordfläche ist der einzige Fall, bei dem wir zur Zurückhaltung raten – der Ertrag ist deutlich tiefer. Oft lässt sich aber eine andere Dachfläche nutzen, oder das Dach ist ein Ost-West-Dach, dessen Nordanteil man einfach nicht belegt.
Ist Süd immer besser als Ost-West?
Für die reine Jahresproduktion ja, für die Wirtschaftlichkeit nicht zwingend. Ost-West passt oft besser zum Verbrauchsverhalten und erhöht den Eigenverbrauch – was den kleinen Produktionsnachteil ausgleichen kann.
Wie stark schadet eine flache oder steile Neigung?
Zwischen etwa 20 und 45 Grad sind die Unterschiede gering. Sehr flache oder sehr steile Dächer weichen etwas stärker ab, sind aber weiterhin gut nutzbar. Auf Flachdächern wird die Neigung ohnehin über die Aufständerung eingestellt.
Kann ich Module in verschiedene Richtungen auf demselben Dach montieren?
Ja, das ist üblich – etwa bei Ost-West-Dächern oder verwinkelten Dächern. Moderne Wechselrichter und modulweise Optimierung kommen mit unterschiedlich ausgerichteten Flächen gut zurecht.
Woher weiss ich, wie viel mein Dach konkret liefert?
Einen ersten Eindruck gibt sonnendach.ch. Für eine belastbare Zahl braucht es eine standortbezogene Ertragsberechnung, die Ausrichtung, Neigung, Verschattung und Modulwahl zusammenführt – das ist Teil unserer Beratung.
Kostenlose Erstberatung
Wie viel holt Ihr Dach heraus?
Egal ob Süd, Ost-West oder verwinkelt – wir berechnen den Ertrag für Ihre konkrete Dachsituation. Kostenlos und unverbindlich.
Quellen: EnergieSchweiz (sonnendach.ch), Swissolar, BFE.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026 · Autor: ecoEn Redaktion

