Kurzantwort

Beim Überschussladen lädt die Wallbox das E-Auto nur mit dem Solarstrom, den das Haus im Moment nicht selbst verbraucht. Statt den Überschuss zum tiefen Tarif ins Netz zu speisen, wandert er ins Auto. Dafür misst ein System laufend, wie viel Strom übrig ist, und passt die Ladeleistung an. Reines Überschussladen ist am günstigsten, aber wetterabhängig – für planbares Laden gibt es Mischmodi. (Stand: Juli 2026)

Das Wichtigste in Kürze

  • Überschussladen nutzt nur den Solarstrom, der sonst ungenutzt ins Netz flösse.
  • Das ist die günstigste Art zu laden, weil der Strom vom eigenen Dach am wenigsten kostet.
  • Voraussetzung ist eine Wallbox, die das kann, plus eine Messung, die den Überschuss erfasst.
  • Die Ladeleistung schwankt mit der Sonne – bei Wolken lädt das Auto langsamer oder pausiert.
  • Für planbares Laden gibt es Mischmodi mit einer Mindestleistung oder einer Zielzeit.

Was bedeutet Überschussladen?

Es bedeutet, das Auto nur mit dem Strom zu laden, der ohnehin übrig ist. Eine Solaranlage produziert an sonnigen Tagen oft mehr, als das Haus in dem Moment verbraucht. Ohne E-Auto flösse dieser Überschuss ins Netz und würde nur zum tiefen Rückliefertarif vergütet. Beim Überschussladen fängt die Wallbox genau diesen Überschuss ab und schickt ihn ins Auto.

Der wirtschaftliche Kern dahinter ist einfach: Der selbst produzierte Solarstrom ist die günstigste Energie, die im Haus verfügbar ist. Ihn ins Auto zu laden, statt ihn günstig zu verkaufen und später teuren Netzstrom fürs Laden zu kaufen, ist der grösste Spareffekt beim Laden zu Hause. Warum das so ist und wie sich die Kosten dabei einordnen, beschreibt der Beitrag Was kostet Laden mit eigenem Solarstrom.

Überschussladen ist damit die konsequenteste Umsetzung des Gedankens aus dem Pillar E-Auto mit Solarstrom laden: den eigenen Strom dort einsetzen, wo er am meisten wert ist. Es reiht sich zugleich in die Hebel ein, die der Beitrag zum Eigenverbrauch optimieren beschreibt – das Auto ist einer der grössten und dankbarsten Verbraucher dafür.

Wie funktioniert das technisch?

Über eine laufende Messung und eine Wallbox, die darauf reagiert. Das System muss zwei Dinge kennen: wie viel die Solaranlage gerade produziert und wie viel das Haus im selben Moment verbraucht. Die Differenz ist der Überschuss, der fürs Laden zur Verfügung steht.

Ein Messpunkt am Netzanschluss erfasst, ob gerade Strom ins Netz fliesst oder daraus bezogen wird. Fliesst Überschuss ins Netz, gibt die Steuerung der Wallbox das Signal: Jetzt ist Strom übrig, lade damit. Steigt der Hausverbrauch – etwa weil der Backofen angeht – oder ziehen Wolken auf, drosselt die Wallbox entsprechend oder pausiert. Das passiert laufend und automatisch, ohne dass Sie eingreifen müssen.

Damit das funktioniert, braucht es eine Wallbox, die diese Steuerung beherrscht, und die passende Messung. Das ist eines der Kriterien bei der Wallbox-Auswahl: Eine einfache Lade-Box ohne diese Fähigkeit kann nicht überschussladen. In der Praxis übernimmt oft ein kleines Steuerungs- oder Energiemanagementsystem die Koordination zwischen Anlage, Haus und Wallbox.

Reiner Überschuss oder Mischbetrieb – was ist realistisch?

Beides hat seine Berechtigung, und der ehrliche Punkt ist: Reines Überschussladen ist am günstigsten, aber nicht immer praktisch. Denn die Sonne richtet sich nicht nach Ihrem Fahrplan.

Reines Überschussladen. Die Wallbox lädt ausschliesslich mit Überschuss. Das ist am günstigsten, weil kein Netzstrom dazukommt. Der Haken: An trüben Tagen oder wenn das Auto abends geladen werden soll, kommt wenig oder nichts zusammen. Für Fahrzeuge, die tagsüber lange zu Hause stehen, ist es ideal – für den Pendler, der abends ankommt und morgens ein volles Auto braucht, allein oft zu wenig.

Mischmodi. Deshalb bieten viele Systeme Kompromisse an. Eine Variante lädt bevorzugt mit Überschuss, ergänzt aber mit einer Mindestleistung aus dem Netz, damit das Laden nicht ganz stoppt. Eine andere arbeitet mit einer Zielzeit: «Bis morgen um sieben Uhr soll das Auto voll sein» – das System nutzt bis dahin so viel Solarstrom wie möglich und füllt den Rest mit Netzstrom auf. So verbindet man den günstigen Solarstrom mit der nötigen Planbarkeit.

ModusVorteilGrenze
Reiner Überschussgünstigster Stromwetter- und tageszeitabhängig
Überschuss + Mindestleistunglädt immer etwasteils Netzstrom nötig
Zielzeitplanbar, nutzt Solar maximalfüllt Rest mit Netzstrom

Vereinfachte Übersicht, Stand: Juli 2026. Massgebend sind die Möglichkeiten Ihrer Wallbox und Steuerung.

Welcher Modus passt, hängt vom Standzeiten-Profil ab. Wer das Auto flexibel laden kann, fährt mit reinem Überschuss am günstigsten. Wer auf ein volles Auto zu fester Zeit angewiesen ist, wählt die Zielzeit und nimmt etwas Netzstrom in Kauf.

Aus der Praxis

Überschussladen ist die Funktion, die den meisten am meisten bringt – und die am häufigsten falsch erwartet wird. Viele stellen sich vor, das Auto lade konstant schnell nur mit Sonne. In Wirklichkeit atmet die Ladeleistung mit dem Wetter: Bei praller Sonne zügig, bei Wolken langsam, abends gar nicht. Wer das weiss, ist zufrieden; wer eine gleichmässig schnelle Ladung erwartet, ist erst irritiert. Wir richten deshalb bei fast jeder Anlage in der Region Zürich einen Mischmodus mit Zielzeit ein: möglichst viel Sonne, aber ein volles Auto am Morgen. Das ist der Kompromiss, mit dem die Leute am besten leben.

Häufige Fragen

Lädt mein Auto beim Überschussladen langsamer?

Zeitweise ja – die Ladeleistung passt sich dem verfügbaren Überschuss an. Bei viel Sonne lädt es zügig, bei Wolken langsamer, und ohne Überschuss pausiert es. Das ist gewollt, denn nur so wird ausschliesslich der günstige eigene Strom genutzt. Wer planbar laden will, kombiniert das Überschussladen mit einer Zielzeit.

Brauche ich einen Heimspeicher fürs Überschussladen?

Nein. Überschussladen funktioniert direkt aus der Solaranlage, ohne Speicher – das Auto ist in gewissem Sinn selbst ein grosser Speicher für den Solarstrom. Ein Heimspeicher und das Auto konkurrieren sogar teils um denselben Überschuss. Wie beides zusammenspielt, ist ein eigenes Thema für Haushalte mit Speicher.

Kann jede Wallbox überschussladen?

Nein, das ist eine spezielle Fähigkeit. Es braucht eine Wallbox, die sich steuern lässt, plus eine Messung des Überschusses und oft eine kleine Steuerungseinheit. Einfache Lade-Boxen ohne diese Funktion laden nur mit fester Leistung. Deshalb ist die PV-Tauglichkeit ein zentrales Kriterium bei der Wallbox-Wahl.

Lohnt sich Überschussladen auch bei einer kleinen Solaranlage?

Auch dann nutzt es den Überschuss, der sonst ins Netz ginge – jede selbst geladene Kilowattstunde ist günstiger als Netzstrom. Bei einer kleinen Anlage steht schlicht weniger Überschuss zur Verfügung, also lädt das Auto seltener und langsamer mit reiner Sonne. Ein Mischmodus gleicht das aus.

Kostenlose Erstberatung

Ihr Auto mit eigenem Solarstrom laden

Wir richten Wallbox und Steuerung so ein, dass Ihr Auto möglichst viel Sonnenstrom tankt – mit dem Kompromiss aus Günstigkeit und Planbarkeit, der zu Ihrem Alltag passt.

Quellen: Allgemeine Fachgrundlagen zu Überschussladen, PV-Überschussmessung und Ladesteuerung; Erfahrungswerte aus der Installationspraxis der ecoEn GmbH, Region Zürich.

Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026 · Autor: ecoEn Redaktion