Kurzantwort

Solarthermie erzeugt aus Sonnenlicht Wärme, Photovoltaik erzeugt Strom – und beide konkurrieren um dieselbe Dachfläche. Für die meisten Einfamilienhäuser ist heute die Photovoltaik die vielseitigere Wahl: Ihr Strom lässt sich für alles nutzen, auch fürs Heizen über eine Wärmepumpe, während Solarthermie nur Wärme liefert. Aufs selbe Dach gehört deshalb in aller Regel Photovoltaik. (Stand: Juli 2026)

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Grundunterschied: Solarthermie macht Wärme (für Warmwasser und Heizung), Photovoltaik macht Strom.
  • Beide brauchen dieselbe besonnte Dachfläche – ein Nebeneinander lohnt sich auf dem typischen Eigenheimdach selten.
  • Photovoltaik ist der Allrounder: Der Strom heizt über eine Wärmepumpe, lädt das Auto, betreibt den Haushalt – und was übrig ist, bringt Einspeiseerlös.
  • Solarthermie erreicht bei der reinen Warmwasserbereitung hohe Wirkungsgrade, ist aber auf diesen einen Zweck festgelegt.
  • Die Kombination Photovoltaik plus Wärmepumpe hat der Solarthermie in den meisten Neuprojekten den Rang abgelaufen.

Wo liegt der Unterschied zwischen Solarthermie und Photovoltaik?

Beide Technologien sitzen auf dem Dach, beide nutzen die Sonne – und trotzdem tun sie grundverschiedene Dinge. Solarthermie fängt die Wärme des Sonnenlichts ein: In den Kollektoren zirkuliert eine Flüssigkeit, die sich erhitzt und ihre Wärme an den Warmwasserspeicher oder die Heizung abgibt. Photovoltaik dagegen wandelt das Licht in elektrischen Strom um – wie das im Detail funktioniert, erklärt der Technik-Ratgeber.

Der entscheidende Punkt für Ihre Entscheidung: Wärme lässt sich nur als Wärme nutzen, Strom für fast alles – auch, um daraus Wärme zu machen. Genau darin liegt der Grund, warum die beiden Technologien heute nicht mehr auf Augenhöhe konkurrieren.

Warum ist das eine Entweder-oder-Frage?

Weil beide dieselbe Ressource brauchen: die gut besonnte Dachfläche. Wer die Hälfte des Süddachs mit Kollektoren belegt, kann sie nicht mehr mit Modulen belegen – und umgekehrt. Auf dem typischen Einfamilienhausdach ist der Platz begrenzt genug, dass ein Nebeneinander beide Anlagen zu klein geraten lässt, um ihren Zweck wirklich zu erfüllen.

Es gibt Ausnahmen – grosse Dächer, spezielle Verbrauchsprofile, bestehende Anlagen –, aber die Grundfrage bleibt: Welche Technologie holt aus Ihrer knappen Fläche den grösseren Nutzen? Und diese Frage hat für die meisten Häuser eine klare Antwort.

Der direkte Vergleich

SolarthermiePhotovoltaik
ErzeugtWärmeStrom
NutzungWarmwasser, HeizungsunterstützungHaushalt, Wärmepumpe, E-Auto, Einspeisung
Vielseitigkeitauf Wärme festgelegtuniversell einsetzbar
Überschussschwer nutzbar (Wärme lässt sich kaum «einspeisen»)wird vergütet oder gespeichert
Kombination mit Wärmepumpekonkurriert eherergänzt sich ideal
Förderungkantonal möglichEinmalvergütung des Bundes + kantonal

Vereinfachte Gegenüberstellung, Stand: Juli 2026. Massgebend ist die Planung am konkreten Objekt.

Zwei Zeilen aus dieser Tabelle entscheiden die Sache meistens. Die erste ist der Überschuss: Produziert die Solarthermie im Sommer mehr Wärme, als das Haus braucht, verpufft sie weitgehend – warmes Wasser lässt sich nicht ins Netz zurückspeisen. Photovoltaik-Überschuss dagegen bringt Einspeiseerlös oder wandert in Speicher, Auto und Wärmepumpe. Die zweite ist die Wärmepumpe: Sie hat die Rollenverteilung auf dem Dach neu geordnet.

Was hat die Wärmepumpe verändert?

Solange Häuser mit Öl oder Gas heizten, hatte die Solarthermie ihren festen Platz: Sie war der direkte Weg, Sonne in Warmwasser zu verwandeln. Mit der Wärmepumpe ist ein eleganterer Weg dazugekommen. Die Wärmepumpe macht aus Strom ein Mehrfaches an Wärme – und diesen Strom liefert die Photovoltaik. Statt Wärme direkt auf dem Dach zu erzeugen, erzeugt man Strom und lässt die Wärmepumpe daraus Wärme machen: vielseitiger, weil derselbe Strom auch alles andere im Haus betreibt.

Deshalb sehen wir in Neuprojekten fast durchgängig die Kombination Photovoltaik plus Wärmepumpe – und nur noch selten die klassische thermische Solaranlage. Wo bereits eine funktionierende Solarthermie liegt, gibt es keinen Grund, sie zu ersetzen; für die Neuentscheidung aber fällt die Wahl heute klar zugunsten der Photovoltaik aus.

Wann kann Solarthermie trotzdem sinnvoll sein?

Der Vollständigkeit halber, denn pauschale Urteile sind selten die ganze Wahrheit: Es gibt Konstellationen, in denen die Wärmeerzeugung auf dem Dach ihre Berechtigung behält. Ein sehr hoher, ganzjährig gleichmässiger Warmwasserbedarf – etwa in bestimmten Mehrpersonen-Haushalten oder Betrieben – kann für die hohen thermischen Wirkungsgrade sprechen. Auch wo eine Wärmepumpe aus baulichen Gründen schwierig ist, verschiebt sich die Rechnung.

Für das typische Einfamilienhaus in der Region aber gilt: Wer heute neu aufs Dach plant und die Fläche optimal nutzen will, fährt mit Photovoltaik – idealerweise kombiniert mit einer Wärmepumpe – in fast allen Fällen besser. Die Solarthermie ist keine schlechte Technik; sie ist nur für die meisten Häuser die weniger vielseitige geworden.

Aus der Praxis

Die Frage «Soll ich nicht lieber Solarthermie fürs Warmwasser nehmen?» kommt in Beratungen fast immer von Hausbesitzern, die sich vor einigen Jahren schon einmal mit dem Thema beschäftigt haben – damals war Solarthermie der naheliegende Weg. Wir rechnen dann selten mit Prospektzahlen, sondern erklären die Logik: Ein Quadratmeter Dach, mit Modulen belegt, produziert Strom, der auch das Warmwasser über die Wärmepumpe machen kann – und nebenbei den Kühlschrank, das Auto und den Überschuss fürs Netz. Derselbe Quadratmeter mit Kollektoren kann nur eines: Wasser wärmen, und im Sommer mehr davon, als das Haus je braucht. Spätestens an dieser Stelle ist die Entscheidung meist gefallen. Bestehende thermische Anlagen raten wir dagegen nie zum Ausbau – solange sie laufen, tun sie ihren Dienst.

Häufige Fragen

Kann ich Solarthermie und Photovoltaik auf demselben Dach kombinieren?

Technisch ja, praktisch selten sinnvoll – beide brauchen die besonnte Fläche, und geteilt geraten beide zu klein. Auf grossen Dächern oder bei speziellem Wärmebedarf kann es aufgehen; auf dem typischen Einfamilienhausdach ist die reine Photovoltaik-Belegung fast immer die bessere Nutzung des Platzes.

Ist Solarthermie nicht effizienter als Photovoltaik?

Beim reinen Umwandeln von Licht in Wärme erreicht Solarthermie höhere Wirkungsgrade als Photovoltaik beim Umwandeln in Strom – das stimmt. Nur zählt dieser Vergleich wenig, weil die Wärme sich schlechter nutzen und kaum verwerten lässt, sobald mehr davon anfällt, als gebraucht wird. Vielseitigkeit schlägt hier den reinen Wirkungsgrad.

Was mache ich mit meiner bestehenden Solarthermie-Anlage?

Betreiben, solange sie läuft – ein Ersatz durch Photovoltaik lohnt sich für eine funktionierende Anlage in der Regel nicht. Wenn ohnehin eine Dachsanierung ansteht oder die thermische Anlage das Ende ihrer Lebensdauer erreicht, ist der Zeitpunkt gekommen, die Fläche neu zu denken.

Heizt Photovoltaik auch mein Haus?

Nicht direkt, aber über den Umweg Strom: In Kombination mit einer Wärmepumpe liefert die Photovoltaik den Strom, aus dem die Wärmepumpe Heizwärme und Warmwasser macht. Diese Kombination ist der heute übliche Weg, mit Sonne zu heizen – vielseitiger als die direkte Wärmeerzeugung per Solarthermie.

Gibt es für Solarthermie auch Förderung?

Ja, thermische Solaranlagen werden in vielen Kantonen gefördert – anders als die Photovoltaik erhalten sie aber keine Einmalvergütung des Bundes. Massgebend sind die aktuellen Bestimmungen Ihres Kantons und Ihrer Gemeinde.

Kostenlose Erstberatung

Photovoltaik, Wärmepumpe – oder beides?

Wir schauen uns Ihr Dach und Ihren Wärmebedarf an und sagen Ihnen ehrlich, welche Technik den grössten Nutzen bringt – ohne Verkauf einer Lösung, die nicht passt.

Quellen: EnergieSchweiz (Grundlagen Solarthermie und Photovoltaik); Swissolar; Erfahrungswerte aus der Planungspraxis der ecoEn GmbH, Region Zürich.

Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026 · Autor: ecoEn Redaktion