Rechnet man Investition und Betriebskosten auf die gesamte Stromproduktion über die Lebensdauer um, kostet die selbst produzierte Kilowattstunde bei gut geplanten Einfamilienhaus-Anlagen als Richtwert grob 8 bis 15 Rappen – deutlich weniger als Netzstrom, der je nach Gemeinde 25 bis 35 Rp./kWh kostet. Der genaue Wert hängt von Investition, Dachlage und Lebensdauer ab. (Stand: Juli 2026)
Das Wichtigste in Kürze
- Gestehungskosten beantworten die einfachste aller Fragen: Was kostet mich meine eigene Kilowattstunde?
- Die Rechnung ist eine Division: alle Kosten über die Lebensdauer, geteilt durch die gesamte Stromproduktion.
- Anders als Amortisations- oder Renditerechnungen kommt sie ohne Prognosen zu Strompreisen und Tarifen aus.
- Der Abstand zum Netzstrompreis ist der eigentliche wirtschaftliche Kern jeder Solaranlage.
- Alle Werte sind Richtwerte – verbindlich ist die Rechnung mit Ihrer Offerte und Ihrem Dach.
Was sind Gestehungskosten?
Gestehungskosten sind der Selbstkostenpreis Ihres Solarstroms: sämtliche Kosten der Anlage über ihre Lebensdauer, verteilt auf jede Kilowattstunde, die sie in dieser Zeit produziert. Der Begriff kommt aus der Energiewirtschaft – Kraftwerksbetreiber rechnen so seit jeher, und für Ihr Dach funktioniert dieselbe Logik.
Der Charme dieser Zahl: Sie ist ehrlich, weil sie fast ohne Annahmen über die Zukunft auskommt. Ob die Strompreise steigen oder fallen, was Ihr EW für den Überschuss bezahlt, wie sich Ihre Eigenverbrauchsquote entwickelt – alles egal. Die Gestehungskosten beschreiben nur die Produktionsseite. Erst im zweiten Schritt vergleicht man sie mit dem, was Strom aus dem Netz kostet.
Wie rechnet man die Gestehungskosten aus?
Die Formel: (Nettoinvestition + Betriebskosten über die Lebensdauer) ÷ Gesamtproduktion in kWh. Eine Beispielrechnung für eine typische 10-kWp-Anlage zeigt die Grössenordnung:
| Position | Richtwert |
|---|---|
| Anlage schlüsselfertig | CHF 20’000–27’000 |
| Einmalvergütung (KLEIV, ca.) | − CHF 3’600 |
| Nettoinvestition | CHF 16’400–23’400 |
| Jahresproduktion (Region, je nach Lage) | rund 9’500–11’000 kWh |
| Produktion über 25–30 Jahre (inkl. altersbedingter Minderleistung) | grob 230’000–320’000 kWh |
| Gestehungskosten ohne Betriebskosten | grob 5–10 Rp./kWh |
| inkl. Betriebskosten (Zähler, Wechselrichter-Ersatz, Rückstellungen) | grob 8–15 Rp./kWh |
Richtwerte, Stand: Juli 2026, gerundete Beispielrechnung – unverbindlich; der Steuerabzug ist nicht eingerechnet und verbessert das Ergebnis zusätzlich. Verbindlich ist die Rechnung mit den Werten Ihrer Offerte.
Die Bausteine dahinter sind an anderer Stelle im Detail beschrieben: die Investitions-Richtwerte, der Ertrag pro kWp in der Region und die laufenden Unterhaltskosten, bei denen der einmalige Wechselrichter-Ersatz der grösste Einzelposten ist.
Warum ist diese Zahl aufschlussreicher als die Amortisationsdauer?
Weil sie den Vergleich auf Augenhöhe erlaubt. Netzstrom kostet je nach Gemeinde typischerweise zwischen rund 25 und 35 Rp./kWh – die eigene Produktion liegt, wie hergeleitet, deutlich darunter. Dieser Abstand ist der wirtschaftliche Kern der ganzen Anlage: Jede Kilowattstunde, die Sie selbst verbrauchen statt beziehen, realisiert genau diese Differenz.
Amortisations- und Renditerechnungen brauchen dagegen Annahmen über künftige Tarife und Ihr Verbrauchsprofil – nützlich, aber weicher. Die Gestehungskosten sagen schlicht: Zu diesem Preis produzieren Sie. Solange dieser Preis klar unter Ihrem Bezugstarif liegt, kann die Detailrechnung das Gesamtbild kaum noch kippen. Wie Amortisation und Rendite darauf aufbauen, zeigen die jeweiligen Ratgeber.
Was beeinflusst die Gestehungskosten am stärksten?
Die Investition pro kWp. Sie steht im Zähler und wirkt direkt. Kleine Anlagen sind pro kWp teurer, weil sich Gerüst und Fixkosten schlechter verteilen – deshalb drückt eine Vollbelegung des Dachs die Gestehungskosten fast immer.
Der Ertrag der Lage. Ausrichtung, Neigung und Verschattung bestimmen den Nenner. Ein unverschattetes Dach in guter Lage produziert über die Jahrzehnte spürbar mehr – bei identischen Kosten.
Die Lebensdauer. Module sind auf 25 bis 30 Jahre und mehr ausgelegt; jedes zusätzliche Betriebsjahr produziert fast gratis weiter und senkt den Durchschnittspreis. Solide Montage und regelmässiger Blick auf die Anlage sind darum auch ökonomisch die beste Pflege.
Bemerkenswert ist, was nicht auf der Liste steht: der Rückliefertarif. Er beeinflusst, was der Überschuss einbringt – an den Kosten Ihrer Produktion ändert er nichts.
Gilt die Rechnung auch für gespeicherten Strom?
Ja, aber mit einem Zuschlag. Ein Speicher verursacht eigene Investitions- und Lebensdauerkosten, produziert aber keine einzige Kilowattstunde – er verschiebt sie nur. Die Kilowattstunde, die abends aus der Batterie kommt, trägt darum die Gestehungskosten der Produktion plus die Speicherkosten. Sie bleibt damit in vielen Fällen unter dem Netzpreis, der Abstand schrumpft aber. Ob sich das im Einzelfall rechnet, hängt vom Verbrauchsprofil ab – die Einordnung: Lohnt sich ein Stromspeicher?
Wenn wir in Beratungsgesprächen die Gestehungskosten herleiten, kippt oft die Diskussion. Vorher dreht sich alles um den Rückliefertarif – «der ist so tief, lohnt sich das überhaupt?». Nachher steht die richtige Frage im Raum: Warum weiter jede Kilowattstunde zum vollen Netzpreis beziehen, wenn das eigene Dach sie für einen Bruchteil produziert? Die Division auf dem Notizblock überzeugt regelmässig mehr als jede Hochglanz-Prognose.
Häufige Fragen
Warum schwankt die Bandbreite so stark?
Weil Zähler und Nenner beide streuen: Investitionen unterscheiden sich je nach Dach und Ausstattung, Erträge je nach Lage. Ein günstig gebautes, unverschattetes Süddach landet am unteren Rand, eine kleine Anlage auf komplexem Dach am oberen.
Sind die Gestehungskosten über die Jahre konstant?
Die Rechnung verteilt alle Kosten gleichmässig – real bezahlen Sie den Grossteil am Anfang. Nach der Amortisation produziert die Anlage zum reinen Betriebskostenpreis weiter, also für wenige Rappen.
Wie fliesst der Steuerabzug ein?
Er senkt die Nettoinvestition und damit die Gestehungskosten zusätzlich – je nach Kanton und Einkommen unterschiedlich stark. In der Beispielrechnung ist er bewusst nicht enthalten; Details im Beitrag Steuerabzug.
Kann Netzstrom je günstiger sein als die eigene Produktion?
Bei gut geplanten Anlagen ist der Abstand gross genug, dass selbst deutliche Preissenkungen ihn nicht schliessen. Knapp werden kann es bei sehr teuren Kleinstanlagen auf schwierigen Dächern – einer der Fälle, in denen wir ehrlich rechnen und manchmal abraten.
Rechnet die Branche einheitlich?
Das Prinzip ja, die Annahmen nein. Vergleichen Sie Gestehungskosten-Angaben nur, wenn Lebensdauer, Betriebskosten und Förderung gleich behandelt sind – sonst vergleichen Sie Annahmen, nicht Anlagen.
Kostenlose Erstberatung
Was kostet Ihre Kilowattstunde? Wir rechnen es vor.
Mit Ihrer Dachlage, einer konkreten Offerte und den Tarifen Ihrer Gemeinde – nachvollziehbar bis zur letzten Position, kostenlos und unverbindlich.
Zuerst selbst rechnen? Solarrechner mit amtlichen Dachdaten →
Lieber telefonieren? +41 78 830 83 35
Photovoltaik-Anlage installieren lassen →
Swissolar-zertifizierter Fachbetrieb · ESTI-Installationsbewilligung (Art. 14 NIV) · seit 2017 in Zürich · über 150 realisierte Anlagen · persönliche Antwort vom Fachbetrieb, kein Callcenter
Quellen: Bundesamt für Energie BFE, EnergieSchweiz, ElCom (Strompreisübersicht), Pronovo.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026 · Autor: ecoEn Redaktion

