Kurzantwort

Agri-Photovoltaik – die gleichzeitige Nutzung derselben Fläche für Landwirtschaft und Solarstromproduktion – ist in der Schweiz seit Juni 2024 rechtlich klarer geregelt, verlangt aber den Nachweis eines landwirtschaftlichen Nutzens. Ein zentrales Referenzprojekt von Agroscope läuft seit 2021 in Conthey (Wallis); im September 2025 wurde dort eine 4’000 m² grosse Anlage über Obstbäumen eingeweiht. (Stand: September 2026)

Das Wichtigste in Kürze

  • Agri-Photovoltaik betrifft Module auf oder über der landwirtschaftlichen Nutzfläche selbst – anders als PV auf Scheunen- oder Stalldächern.
  • Seit Juni 2024 besteht eine rechtliche Grundlage für die Bewilligung; verlangt wird der Nachweis eines landwirtschaftlichen Nutzens.
  • Agroscope betreibt seit 2021 in Conthey (Wallis) ein Referenzprojekt; im September 2025 wurde dort eine 4’000 m² grosse Anlage über Obstkulturen eingeweiht.
  • Der Kanton Zürich prüft in einem eigenen Pilotprojekt acht Flächen auf drei Betrieben.

Was unterscheidet Agri-Photovoltaik von PV auf Landwirtschaftsgebäuden?

Photovoltaik auf Scheunen-, Stall- und Remisendächern ist in der Schweiz seit Längerem etabliert. Agri-Photovoltaik im engeren Sinn meint dagegen Module direkt auf oder über der landwirtschaftlichen Nutzfläche – etwa aufgeständert über Beerenkulturen oder Obstbäumen –, sodass dieselbe Fläche gleichzeitig landwirtschaftlich genutzt und für die Solarstromproduktion erschlossen wird.

Welche Pilotprojekte laufen in der Schweiz?

ProjektStandortKultur / FokusStand
Agroscope-ReferenzprojektConthey, Wallisursprünglich Erdbeeren/Himbeeren (Start 2021); seit September 2025 zusätzlich 4’000 m² über Obstbäumenin Betrieb
Kantonales Pilotprojekt Zürichdrei Betriebe, acht FlächenPrüfung verschiedener Anlagetypen (Raumplanung, Agronomie, Wirtschaftlichkeit)laufend

Stand: September 2026. Quellen: Agroscope, Kanton Zürich.

Was bedeutet das für Landwirtschaftsbetriebe heute konkret?

Für die meisten Betriebe bleibt die klassische Photovoltaik auf Ökonomiegebäude-Dächern der naheliegendere und rechtlich etablierte erste Schritt – dazu mehr im Ratgeber zu PV auf landwirtschaftlichen Gebäuden. Agri-Photovoltaik im engeren Sinn ist in der Schweiz noch ein Pilot- und Forschungsfeld.

Aus der Praxis

Agri-Photovoltaik-Anfragen sind in unserem Tagesgeschäft aktuell die Ausnahme – die meisten Betriebe realisieren ihr Solarpotenzial zuerst über Dachflächen, die rechtlich und wirtschaftlich klarer sind.

Häufige Fragen

Ist Agri-Photovoltaik dasselbe wie Photovoltaik auf einem Scheunendach?

Nein. Photovoltaik auf Scheunen- oder Stalldächern ist eine etablierte, reguläre Anwendung. Agri-Photovoltaik im engeren Sinn meint Module direkt über der bewirtschafteten Fläche selbst.

Kann ich als Landwirtschaftsbetrieb heute schon eine Agri-PV-Anlage bewilligen lassen?

Seit Juni 2024 besteht dafür eine rechtliche Grundlage, verbunden mit dem Nachweis eines landwirtschaftlichen Nutzens.

Was zeigt das Agroscope-Projekt in Conthey?

Es untersucht seit 2021, wie sich Photovoltaik-Module über Beeren- und seit 2025 auch über Obstkulturen auf Ertrag, Pflanzenschutz und Wirtschaftlichkeit auswirken.

Gibt es bereits kommerziell verfügbare Agri-PV-Lösungen für Schweizer Betriebe?

Der Bereich befindet sich in der Schweiz noch überwiegend in der Pilot- und Forschungsphase.

Ökonomiegebäude zuerst solarisieren?

Für die meisten Betriebe ist die Dachfläche der wirtschaftlich naheliegendste Einstieg – wir prüfen unverbindlich, was auf Ihren Gebäuden möglich ist.

Quellen: Agroscope (Medienmitteilungen), Kanton Zürich (Pilotprojekt Agri-Photovoltaik), Bauernzeitung.

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2026 · Kontakt für Rückfragen zur Methodik: ecoEn Fachredaktion

Leave A Comment