Ihr Solarstrom fliesst zuerst in die eigenen Geräte – das ist der Eigenverbrauch. Was übrig bleibt, geht automatisch ins Netz, und Ihr Elektrizitätswerk vergütet es. Der entscheidende Unterschied liegt beim Geld: Selbst verbrauchter Strom erspart Ihnen den vollen Bezugspreis, eingespeister bringt nur einen Bruchteil davon. (Stand: Juli 2026)
In diesem Kapitel lernen Sie
- was mit dem Strom vom Dach tatsächlich passiert – und warum Sie dafür keinen Finger rühren müssen;
- warum eine selbst verbrauchte Kilowattstunde grob zwei- bis viermal so viel wert ist wie eine eingespeiste;
- weshalb ein Haushalt ohne Zutun nur einen Teil seiner Produktion selbst nutzt – und was sich daran ändern lässt.
Was passiert mit dem Strom vom Dach?
Die kurze Fassung: Er nimmt immer den nächstgelegenen Weg. Produziert die Anlage, bedienen sich zuerst die Geräte im eigenen Haus – Kühlschrank, Router, Boiler, was gerade läuft. Nur was das Haus in diesem Moment nicht braucht, fliesst über den Zähler ins öffentliche Netz. Und wenn die Anlage weniger liefert, als das Haus verlangt, kommt die Differenz wie bisher aus dem Netz dazu.
Das alles geschieht von selbst, in jeder Sekunde neu. Es gibt keinen Schalter, den Sie umlegen, keine App, in der Sie etwas freigeben müssten. Die Physik regelt den Verkehr, der Zähler protokolliert ihn: Er misst in der einen Richtung, was Sie einspeisen, und in der anderen, was Sie beziehen.
Für diese beiden Richtungen gibt es zwei Begriffe, die Ihnen ab jetzt überall begegnen werden. Eigenverbrauch heisst der Solarstrom, den Sie im Moment der Produktion selbst nutzen. Rücklieferung (oft auch Einspeisung) heisst der Überschuss, den Sie dem Netz übergeben. Mehr Vokabular braucht dieses Kapitel nicht.
Wohin fliesst das Geld?
Hier wird es interessant, denn die beiden Richtungen sind finanziell alles andere als gleichwertig. Ihre Stromrechnung besteht aus der Energie selbst, der Netznutzung und diversen Abgaben – zusammen je nach Gemeinde grob 25 bis 35 Rappen pro Kilowattstunde. Verbrauchen Sie Ihren Solarstrom selbst, sparen Sie diesen ganzen Betrag, denn der Strom vom Dach berührt das öffentliche Netz gar nicht.
Speisen Sie dagegen ein, vergütet Ihnen das Elektrizitätswerk nur den Wert der Energie – je nach Werk und Modell zwischen der gesetzlichen Untergrenze und rund 14 Rappen. Netznutzung und Abgaben werden nicht erstattet; die fallen bei Ihnen ja auch nicht an.
| Richtung | Was passiert | Was es Ihnen bringt |
|---|---|---|
| Eigenverbrauch | Strom fliesst vom Dach direkt in Ihre Geräte | erspart den vollen Bezugstarif: grob 25–35 Rp./kWh |
| Rücklieferung | Überschuss fliesst ins Netz, das EW vergütet ihn | je nach Werk rund 6–14 Rp./kWh |
Richtwerte, Stand: Juli 2026. Massgebend sind Ihr lokaler Stromtarif und das Tarifblatt Ihres Netzbetreibers – die Tarife werden periodisch angepasst.
Aus dieser Tabelle folgt der wichtigste Satz des ganzen Kapitels: Eine selbst verbrauchte Kilowattstunde ist grob zwei- bis viermal so viel wert wie eine eingespeiste. Nicht, weil Einspeisen schlecht wäre – sondern weil Selbst-Verbrauchen so viel besser ist. Wer verstanden hat, warum, hat den wirtschaftlichen Kern der ganzen Solarrechnung verstanden.
Wie hoch die Vergütung bei Ihnen konkret ausfällt, hängt vom Netzgebiet ab – die Unterschiede in der Region sind beträchtlich. Den Überblick über die Modelle und Tarife der Werke gibt der grosse Rückliefertarif-Vergleich; dass es eine gesetzliche Untergrenze gibt, seit 2026 schweizweit, gehört zu den beruhigenden Neuerungen.
Warum verbraucht das Haus nicht einfach alles selbst?
Weil Produktion und Verbrauch nicht zur gleichen Zeit stattfinden. Die Anlage liefert am meisten um die Mittagszeit – genau dann, wenn viele Häuser leer stehen. Der Haushaltsverbrauch konzentriert sich auf morgens und abends, wenn die Sonne wenig oder nichts mehr liefert. Diese Lücke ist der Grund, warum ein typischer Haushalt ohne besondere Massnahmen erfahrungsgemäss nur etwa einen Viertel bis einen Drittel seiner Produktion selbst nutzt. Der Rest fliesst als Überschuss ins Netz – zum tieferen Tarif.
Das klingt ernüchternd, ist aber kein Schicksal. Die Eigenverbrauchsquote – so heisst der Anteil der Produktion, den Sie selbst nutzen – ist eine Stellschraube, und zwar eine mit mehreren Gängen. Die einfachsten kosten nichts: Waschmaschine, Geschirrspüler und Boiler laufen mittags statt abends, per Zeitschaltuhr oder Startvorwahl. Danach kommen die grossen Verbraucher: Eine Wärmepumpe, die bevorzugt bei Sonnenschein heizt, oder ein E-Auto, das tagsüber lädt, verschieben viel Energie in die richtigen Stunden. Und schliesslich der Speicher, der die Mittagsproduktion in den Abend rettet.
Ob und wann diese drei grossen Bausteine sinnvoll sind, ist genau das Thema des nächsten Kapitels. Die konkreten Handgriffe für alle, die schon eine Anlage haben, stehen im Ratgeber Eigenverbrauch optimieren. Fürs Erste genügt die Einsicht: Die Quote ist gestaltbar, und die ersten Schritte sind gratis.
Muss ich mich zwischen Eigenverbrauch und Einspeisen entscheiden?
Nein – das ist vielleicht das hartnäckigste Missverständnis bei diesem Thema. Sie treffen keine Wahl zwischen zwei Modellen; beides passiert ohnehin, jeden Tag, nebeneinander. Die Frage ist nur, in welchem Verhältnis.
Daraus folgt auch, dass eine Anlage nicht möglichst klein sein sollte, «damit alles selbst verbraucht wird». Die Zusatzmodule aufs volle Dach sind die günstigsten der ganzen Anlage, und ihr Überschuss wird immerhin vergütet – zudem wächst der eigene Verbrauch bei den meisten Familien über die Jahre, etwa mit einem E-Auto. Die Strategie, die sich bewährt: Anlage nach Dach dimensionieren, Eigenverbrauch mit einfachen Mitteln erhöhen, den Rest zum bestmöglichen Tarif einspeisen. Die ausführliche Herleitung samt Wirtschaftlichkeit steht im Ratgeber zur Frage Eigenverbrauch oder Einspeisung.
Vertiefen Sie das Thema
Zum Weiterlesen aus dem Ratgeber: – Eigenverbrauch oder Einspeisen: Was ist wirtschaftlicher? — die vollständige Rechnung hinter der 2–4×-Faustregel – Eigenverbrauch optimieren: die sechs Hebel — vom Gratis-Timer bis zum Speicher, nach Aufwand geordnet – Rückliefertarife in der Region: der grosse Vergleich — was die Werke für Ihren Überschuss zahlen – Die Stromabrechnung mit Photovoltaik lesen — wo Eigenverbrauch und Rücklieferung auf der Rechnung auftauchen
### Merken Sie sich Selbst verbrauchter Solarstrom ist grob zwei- bis viermal so viel wert wie eingespeister – beim Geld dreht sich deshalb fast alles um eine einzige Zahl: Ihre Eigenverbrauchsquote.
Kurz gefragt
Muss ich im Alltag etwas umschalten oder steuern? Nein. Der Strom nimmt automatisch den nächstgelegenen Weg, der Zähler hält die Richtungen auseinander, die Abrechnung kommt vom Elektrizitätswerk. Steuern lohnt sich nur in eine Richtung: grosse Verbraucher in die Sonnenstunden legen – freiwillig, weil es sich rechnet.
Woher kommt mein Strom nachts und im Winter? Ganz normal aus dem Netz, wie bisher. Anlage und Netz ergänzen sich: Was vom Dach kommt, nutzen Sie zuerst; was fehlt, beziehen Sie dazu. Im Alltag merken Sie keinen Unterschied – nur auf der Rechnung.
Wo sehe ich, wie viel ich selbst verbrauche? In der Monitoring-App Ihrer Anlage – oder rechnerisch aus Produktion minus Einspeisung, geteilt durch die Produktion. Ein Blick nach dem ersten Betriebsjahr lohnt sich: Er zeigt, welcher Hebel bei Ihnen am meisten bringen würde.
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Quellen: ElCom (Strompreis-Übersichten), Tarifblätter der regionalen Netzbetreiber, Bundesamt für Energie BFE; Bandbreiten 1:1 aus dem Tarif-Ratgeber (R14).
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026 · Autor: ecoEn Redaktion

